P. Howard / Jenő Rejtő:

Das vierzehnkarätige Auto

* * * * *

1940 auf Ungarisch,
erstmals 1971 auf Deutsch
zur Zeit hier nur als e-book

Eulenspiegel Verlag

122 Seiten

ISBN 9783359500285 (ebook)

Wundervolle Abenteuerposse voll
Tempo und sprühendem Witz
der ganz besonderen Art.

Noch ein Tipp:

Auch eine herrliche Militär-Satire und ein moderner Klassiker.

Da mich "Ein Seemann hieß Marita" nicht vollständig begeistern konnte, will ich nun das vierzehnkarätige Auto nachschieben.

MacGuffin nennt man in Filmen und Geschichten ein Objekt oder eine Person, die zwar die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, aber selbst eigentlich für die Geschichte bedeutungslos sind. Im Sport wäre es beispielsweise ein Fußball. Es geht nicht um den Ball an sich, sondern um die Tore, aber der Ball ist es dennoch, der 22 Leute auf dem Rasen bis zur Erschöpfung laufen lässt.

In unserer Geschichte ist ein blauer Alpha solch ein MacGuffin. Sein Weg ist dank der Geschichte untrennbar mit der des Helden verbunden, Iwan Gortschef, einem 23-jährigen Abenteurer, der zu Beginn der Geschichte gerade den Nobelpreis für Physik gewonnen hat. Gut – er gewann den Preis beim Kartenspiel, aber gewonnen ist gewonnen. So steht er nun plötzlich reich wie Nabob auf dem Kai in Nizza, und verpflichtet Herrn Vanek, einen der dort herumstehenden Gepäckträger, der aus dem Rahmen fällt. Er trägt einen Kneifer, statt eines Hemdes ein leuchtend gelbes Handtuch vor der Brust, darüber ein Braunes Sakko und dazu eine Badehose. Außerdem fühlt er sich außerstande Lasten zu tragen, hat aber Manieren und lässt sich auf der Stelle als Sekretär anstellen. Diese Position wird ihn am Ende glücklich machen, doch bis dahin ist es für ihn ein weiter und sehr beschwerlicher Weg.

Zunächst aber beginnen die beiden ein verschwenderische Leben, denn Iwan Gortschew ist ein leichtsinniger Mensch. Auch mit der Wahrheit nimmt er es nicht so genau, auch wenn er kein Lügner ist, nicht im eigentlichen Sinne. Es sagt nur oft das, was ihm in den Sinn kommt, und dann ist darin oft kaum mehr als nur ein Quäntchen Wahrheit enthalten. Dennoch hat etwas Unschuldiges an sich, wirkt wie ein zu alt gewordener Lausbub, der den Kopf voller Unsinn hat, aber die Bosheit des Herzens nicht kennt.

Apropos Herz … In einem ernsten Anfall von Liebe auf den ersten Blick wählt er eine junge Dame zur künftigen Gattin und Dame seines Herzens. Zuerst verprügelt er ihren Verehrer, hält dann um die Hand der Angebeteten an, stellt sich ihrem Vater vor, einem General, in dem er ihn bei einem Überfall rettet. Die beiden sind sich zwar sympathisch, wie sie anschließend in einer freundschaftlichen Prügelei feststellen, doch als Schwiegersohn ist Gortschew dennoch unpassend. Es sei denn, er würde sich als Beweis seiner Ernsthaftigkeit bei der Fremdenlegion melden.

All dies geschah und wir haben gerade einmal vierzig Seiten gelesen. In diesem Tempo geht es weiter. Gortschew eilt ins Rekrutierungsbüro, schreibt sich ein, doch seinen Dienst kann er umständehalber nicht antreten. Er muss Annette, die künftige Frau Gortschew retten. Die wurde entführt und im weiteren Verlauf wird er noch einige Male es versäumen müssen, sichhttps://shop.autorenwelt.de/products/die-zeitarbeiterin-studentin-pleite-aber-flexibel-von-anja-bagus?variant=39252959101021 der Truppe anzuschließen. Das fällt aber nicht auf. Er lässt sich einfach interimsweise durch Vanek, seinen Sekretär vertreten. Und der – nun unversehens Gemeiner Nummer 27 – löst eine Reihe von Unglücken aus – für sich und andere. Er ist ein Zivilist bis ins Mark und seine Unfähigkeit militärische Umgangsformen auch nur im Ansatz anzunehmen, machen ihn und seine Vorgesetzten gleichermaßen unglücklich. Ihn, weil er entweder geschliffen wird oder in Eisen liegt, und seine Offiziere, weil seine Manieren wie freundliches Grüßen durch unmilitärisches Käppi-Lüften ihnen binnen Tagen psychosomatische Beschwerden beschert. Hier wird die Geschichte zu einer Militärposse, neben der der gute Schwejk beinahe trist wirkt. Am ehesten kann man es wohl mit dem meisterhaften Album „Asterix als Legionär“ von Goscinny und Underzo vergleichen.

Und das Auto? Seine Karosserieteile besteht tatsächlich aus 14-karätigem Gold, dem Schatz eines des Thrones beraubten afrikanischen Potentaten. So ist es Gegenstand des lebhaftesten Interesses von widerstreitenden Parteien, die sich den Wagen immer wieder aufs neue abjagen wollen. Dabei greift immer wieder Gortschew ein, eigentlich gänzlich unbeteiligt und ein völlig unberechenbares Zufallselement, aber dank seiner Liebe zu Annette auch sehr parteiisches.

Würden Ideen physisch Raum einnehmen, würde dieses Buch in mehreren Bänden erscheinen müssen, um all den vielen Geistesblitzen Raum zu geben. Witzige Dialoge, Situationskomik, aberwitzige Wendungen wie in Screwball-Komödien und immer wieder der Humor, der entsteht, wenn Figuren auch in Extremsituationen eisern an guten Manieren festhalten. Auf seinen gut und genau recherchierten Beschreibungen der Fremdenlegion gründet sich wohl auch die Legende, er habe dort selbst gedient. Das ist falsch, doch sein durchaus bunter Lebenslauf findet in vielen Details des Buches seinen Niederschlag.

Zu Jenő Rejtő habe ich im anderen Buch schon einiges geschrieben. Zurecht ist er in Ungarn immer noch ein Topautor. Leider ist nicht alles ins Deutsche übersetzt, doch den Büchern die ich kenne, ist dieses wohl eines seiner besten. Wer einen Roman sucht, der den Leser so mitreißt und begeistert, dass er zwar gelegentlich die Übersicht verliert, aber nie den Lesespaß, ist mit diesem Buch, auch wenn es im Moment nur als ebbook erhältlich ist, bestens bedient.

Ein echter Geheimtipp, aber ein guter!

12.3.2021

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