Christine Keller:

Lyrik mal Pi

* * * *

Erschienen 2020

BoD

51 Seiten

ISBN  97837749477371

freundliches Lyrikbändchen zwischen besinnlich und kapriziös

 

Noch ein Tipp:

Das neuste Baby  eines toller Lyrikers,
der schon einiges gewonnen hat.

Lyrik ist schwer mit üblichen Maßstäben zu bewerten. Fragen, die bei anderen Büchern bewertet werden können, Logik, Charakterzeichnung oder Entwicklung der Spannungskurve, laufen hier ins Leere, andere Fragen, die kaum objektiviert werden können, wiegen sehr schwer. Dazu gehört die Wirkung und der Nachhall, den die Worte in der Seele haben.

Was soll ich nun über dieses Büchlein schreiben? Es ist ein Reigen von Gedichten, die sich alle um einen Begriff ranken: die Prinzessin.

Es ist keine Figur, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Es ist ein Teil des Lyrischen Ichs der Autorin, das verspielte, Kind in ihrem Inneren, das mit Staunen und Neugier die Welt erlebt. Und die versteht sie als Kreis, der sie umgibt. So erklärt sich, dass der Titel auch die Kreiszahl anführt. Das Thema also ist Verhältnis einer schöpferischen Seele zum Dasein in allen Spielarten.

Esoterisch? Philosophisch? Ja … auch das. Aber vor allem verlässt sich die Autorin auf die sprachlichen Mittel. Und davon nutzt sie einige. Sie spielt mit der Form, mit Rhythmus und Reim, ohne sich einem starren Regelwerk zu verpflichten. Ihre Zeilen sind kurz. Das ist gut, denn Dichtung ist ja auch ver“dichtete“ Sprache, also Sinn, der komprimiert in wenigen Worten steckt. Und das gelingt ihr gut.

So entdeckt der Leser oder die Leserin mit der Prinzessin zusammen den ganz eigenen poetischen Blick der Autorin auf Themen wie Freiheit, das Reisen und Kofferpacken, den Zauber des Nebels oder die Magie der Preise in unserer Konsumwelt.

Es sind oft sehr kurze Zeilen, eine stark verknappte Sprache. Doch avantgardistische Extravaganza und Sprachakrobatik muss man nicht befürchten. Die Sätze bleiben fast immer vetraut und verständlich., auch wenn die oft sehr kurzen Zeilen einen eigenen Rhythmus vorgeben. Doch kaum einmal gibt es exotische Wortschöpfungen. Krause spielt mit Wiederholungen, mit Parallelen und Gegensätzen. Sie spannt so zwischen ihren Worten die Fäden immer neuer Zusammenhänge. Diese Fäden bilden Bezüge und verweben sich zu einer neuen, tieferen Bedeutungsebene und erwecken Bilder und Gefühle. So funktioniert Poesie. So dürfen die Gedanken auf Reisen gehen und die Zeilen auf die Seele wirken.

Es sind fast immer freundliche Gedanken eines freundlichen Menschen, dem Liebe und Harmonie wichtig ist. Das ist schön und macht das Buch zu einem guten Geschenk, notfalls auch an sich selbst. Es ist eine Lektüre, die nicht belastet, weder Hand noch Auge, und doch Herz und Hirn erreicht und manchmal vielleicht auch die Seele.

Die Idee, alles um die Prinzessin zu ranken, ist charmant. Dass ich mich dennoch nicht voll angesprochen fühle, ist kein Versagen des Buches. Es ist gut, gelungen, Idee, Form und Inhalt sind nicht zu bemäkeln und ich wünsche dem Buch und der Autorin viele Fans. Doch vielleicht bin ich zu sehr der 57 Jährige Mann mit Vollbart und ich spüre leider nicht, dass das Buch tief in mir eine Prinzessin tanzen lässt. Vielleicht würde ich für mich ein anderes Bild als Katalysator brauchen. Darum begeistert es mich leider nicht. Schön und empfehlenswert ist es dennoch.

 

Wer mehr von Christine Keller wissen möchte ...

Sie hat einen Fragebogen ausgefüllt.

 

20.3.2021

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